Ausstellung – Karlsruher Künstler in Paris

 

Melitta Auwaerter - Karlsruher Künstlerin in Paris

 „Das kleine Pastell ist der Beleg dafür, dass auch Melitta 1930 nach Paris gefahren ist“, erklärt Sylvia Bieber. Die Kunsthistorikerin hat sich intensiv mit der Geschichte von Künstlerinnen im Südwesten beschäftigt und präsentiert daher stolz die 1909 geborene Künstlerin, die wie sie selbst Pforzheim zu ihrem Geburtsort zählt. Das kleine Bild zeigt dynamische Brückenbögen im Vordergrund und gibt den Blick frei auf die Häuser der führenden Kunstmetropole Europas im Hintergrund.

 

 

Paris, die Millionenstadt mit großen Boulevards, Straßencafés und pulsierendem Leben, beeinflusste viele Künstler, die aus dem Badischen anreisten, um sich Inspirationen für ihr Schaffen zu holen. Zwischen 1850 und 1930 folgten insgesamt rund 120 Künstler und Künstlerinnen mit Verbindungen zur Karlsruher Kunstakademie dem Ruf an die Seine.

 

Martha-Kropp: Bretonische Kinder-SZ

 

Martha-Kropp: Straße bei Paris- SZ

 

 

Denn dort fanden sie nicht nur neue Motive wie Menschen auf den Boulevards oder in Bars, Straßenszenerien und Großstadtflair, sondern zudem die Möglichkeiten zum Experiment mit kräftigen Farben und ausgefallenen Formen. Wie sehr Paris faszinierte beweist Franz Xaver Winterhalter, der wohl bekannteste Porträtmaler Europas im 19. Jahrhundert, der seine Stellung als badischer Hofmaler aufgab, um sich als freischaffender Maler 1834 in Paris niederzulassen. Der Aufenthalt in Paris veränderte die künstlerische Haltung, die Arbeitsweise und die Sichtweise auf das Sujet.

 

Brigitte-Baumstark-links-und-Susanne-Asche vor-dem-Winterhalter-Gemälde-Der-Decamerone

 

Mit der Ausstellung „Paris, Paris!“ zeigt die Städtische Galerie in Karlsruhe mit rund 200 Exponaten erstmals die facettenreichen Spuren, die der Kunsttransfer Paris –Karlsruhe hinterlassen hat. Neben namhaften Künstlern wie Anselm Feuerbach und Hans Thoma belegen zudem Exponate von Karl Hubbuch, Otto Laible und Wilhelm Schnarrenberger, dass sich auch Vertreter der neuen Sachlichkeit von Paris inspirieren ließen.

Straßencafe Paris: Otto Laible SZ

 

Wilhelm-Schnarrenberger: Boulevard-du-Montparnasse - SZ

 

 

Weil Frauen bis ins 20. Jahrhundert hinein an den meisten Kunstakademien nicht zum Studium zugelassen waren, sind in der Karlsruher Ausstellung lediglich vier Künstlerinnen vertreten. Darunter auch Melitta Auwaerter, die zu den Begabten zählt, die ihre Ausbildung an der Karlsruher Kunstakademie erhalten hat. Die Künstlerin, die unter ihrem Vornamen Melitta firmiert, stammt aus großbürgerlichen Verhältnissen. 1915 verkauft ihr Vater seine Schmuckfabrik in Pforzheim und zieht mit der Familie nach Karlsruhe. Als Stipendiatin erhält Melitta in der Kunstakademie Zeichenunterricht bei Georg Scholz und Karl Hubbuch, der bei seinen eigenen Reisen nach Paris das Leben in der Stadt darstellt. 1930, inzwischen einundzwanzigjährig, wird Melitta als Auszeichnung der Akademiepreis verliehen. Danach besucht sie die Meisterklasse von Albert Haueisen, erhält ein eigenes Atelier und heiratet noch im selben Jahr Wilhelm Schnarrenberger, Professor für Gebrauchsgraphik an der Karlsruher Akademie.
Statt Fortsetzung einer erfolgreichen Künstlerlaufbahn beginnt nun für die akademisch ausgebildete Künstlerin ein neuer Lebensabschnitt. Ihr Mann wird 1933 als „politisch unliebsam“ aus der Akademie entlassen und ein Neustart in Berlin bringt dem versierten Maler Wilhelm Schnarrenberger auch keine Aufträge. 1938 übersiedelt das Ehepaar nach Lenzkirch in den Schwarzwald, um mit der die Ferienpension „Waldesfrieden“ den Lebensunterhalt zu verdienen. Danach dauert es nahezu drei Jahrzehnte, bis sich Melitta wieder ihrem künstlerischen Schaffen zuwendet.

Ausstellung-Impressionen SZ

 

 

 

Ausstellung vom 23.02.-02.06.2019

https://www.karlsruhe.de/b1/

Text und Fotos:

Sabine Zoller MBA, M.A.

 

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