„ManufakTour“ in Mecklenburg-Vorpommern

Mit der „ManufakTour“ geht es auf eine Reise, die sich mit Handwerk und alten Traditionsberufen beschäftigt.

 

Seit 2019 lockt das Reiseland Mecklenburg-Vorpommern mit einer neuen Tour für Touristen. Ziel ist es, bei der vor allem für Autofahrer gedachten Tour, regionale Besonderheiten in den Fokus zu stellen. Dass es sich dabei nicht um niedliche Mitbringsel handelt, beweist ein Blick auf die aktuelle Webseite:
www.mecklenburg-schwerin.de/manufaktour

 

Neue Reiseroute

Das Konzept dieser neu entwickelten Reiseroute bietet eine Entdeckertour, die dem Reisenden nicht nur eine weite und unendliche Landschaft mit Wiesen und Wäldern präsentiert, sondern zudem vorbei an Seen und sehenswerten Städten bis zum Wasser nach Wismar führt. Wer sich für diese Route entscheidet trifft Menschen, die sich mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern identifizieren und Menschen, die sich hier eine Existenz auf Grundlage traditionsreicher Berufe oder ausgefallener Materialien und Handwerkstechniken erarbeitet haben. Sie alle eint nicht nur die Liebe zum Beruf. Denn alle nehmen sich die Zeit und sprechen mit ihren Besuchern darüber, warum sie ihre Manufaktur in diesem schönen Flecken der Natur betreiben und warum sie mit Workshops Einblick geben in teils fast vergessene Berufe und Handwerkstechniken.

Manufakturen in Mecklenburg

Googelt man das Wort Manufaktur, so bedeutet das aus dem lateinischen hergeleiteten Wort mit manus  als ‚Hand‘ und facere dem ‚erbauen‘, beziehungsweise ‚herstellen‘ eine Produktionsstätte mit hochspezialisierten Handwerkern. Betrachtet man dann dazu die Besonderheiten der Materialien und außergewöhnlichen Fertigkeiten der Macher, so ergibt sich aus dem vielfältigen Zusammenspiel einzelner Puzzleteile ein Bild, das bei einer Tour für Touristen durchaus mit einer Reise in eine fast schon vergangene Zeit gleichzusetzen ist und mit Entschleunigung zu tun hat.

Regionale Besonderheiten

  1. Schmuck aus Fischleder

Ob Aal, Rochen, Scholle, Lachs oder Papageienfisch, für Ramona Stelzer eignet sich die gegerbte Fischhaut bestens für ihre selbstgefertigten Schmuckobjekte. Unter dem Titel „Fisch-Leder“ bietet Sie Ohrringe, Armreife, Manschettenknöpfe und Accessoires in den apart gefärbten Farbenmaterialien von zart rosa bis kräftig rot, von hellgelb bis tiefschwarz und ist damit einzigartig in Wismar.

 

 

  1. Gläserne Möbelmanufaktur

Bei Torsten Goertz werden Möbel nach Maß gefertigt. Der Geschäftsführer der Goertz Möbelmanufaktur GmbH hat eine gläserne Manufaktur am Hafen von Wismar, in der Besucher verfolgen können, wie individuell gefertigte Möbelstücke entstehen. Bei seinem Konzept verarbeitet er hochwertige heimische Hölzer und legt besonders großen Wert auf die individuelle Beratung.

 

 

  1. Rucksack und Fahrradtasche

In Schwerin haben sich zwei Quereinsteiger mit Nadel und Faden einen Namen als Newcomer gemacht. Christian Karius und Stephan Port haben so lange getüftelt, bis ihr Rucksack haltbar, durchdacht und absolut funktionsgerecht am Markt bestehen konnte. Die kreative Geschäftsidee ist mittlerweile Insidertipp für Fahrradfreaks, Wanderer und Sportler, die gerne funktionsgerechte Taschen haben.

 

 

  1.  Klockenschauster

Wer seine Uhr reparieren lassen muss, ist bei Uhrmachermeister Hans-Joachim Dikow in besten Händen. Er kennt alle Kniffe und Tricks, um meisterlich gefertigte Raritäten aus den vergangenen Jahrhunderten ebenso zum Ticken zu bringen, wie Uhrwerke auf Kirchturmuhren, denen er seit geraumer Zeit ebenfalls wieder Leben einhaucht.

 

 

  1. Gravuren für die Ewigkeit

Carola Frericks ist die Frau, die alles meistert wenn es darum geht, mit Präzisionshandwerkszeug edle Materialien zu verzieren und zu gravieren. Als Graveurmeisterin veredelt sie verschiedenste Metallgegenstände mit Ornamenten, Figuren, Wappen und Schriften. Nach dem Motto „Adel verpflichtet“, werden auch mehrteilige Silberbesteckserien wieder mit Monogrammen verziert.

 

 

  1. Weißes Gold

Mit Porzellan verbindet man unwillkürlich die Geburtsstätte des weißen Goldes in Meissen. Und siehe da, das ist gar nicht so weit gefehlt, wenn man Kerstin Behrens besucht. Die Designerin hat in Meissen gelernt und nun die erste Porzellan-Manufaktur in Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt in Sukow, eröffnet. Sie gestaltet Motive, die sich mit der Region identifizieren lassen und modelliert Fische ebenso wie Segelboote, die als Henkel zu den Tassen passen.

 

 

  1. Die Kunst der Farbe

Michael Frahm ist Quereinsteiger und Autodidakt. Mit seinen großformatigen Werken pinselt er die mecklenburgische Landschaft auf die Leinwand und fasziniert stets auf's Neue. Wer sich inspirieren lassen möchte, ist eingeladen an seinen Workshops teilzunehmen, um selbst mit Formen und Farben zu spielen.

 

 

  1. Formvollendet gefilzt

Dass Natur eine wichtige Rolle spielt, weiß Claudia Stark in Basthorst zu vermitteln. In ihrer Textilwerkstatt hat sich die Künstlerin auf Gäste und Besucher eingerichtet und zeigt in Workshops, wie aus hochwertigen Materialien wertvolle Objekte aus Filz gefertigt werden.

 

 

  1. Schuhe nach Maß

In Parchim arbeitet Schuhmacher Kay Gundlack für Stars aus aller Welt. Seine individuell gefertigten Maßschuhe sind Unikate, die der Künstler explizit für seine Kunden entwirft. Wer mag, kann in der gläsernen Manufaktur die präzise Arbeitsweise beobachten – oder für sich selbst ein Meisterstück kreieren lassen.

 

 

 

Pappmacheé

Als günstiger Werkstoff wurde in Schloss Ludwigslust bereits vor über 200 Jahren Pappmaché zur Verzierung von Zierleisten, Bordüren, Rahmen und vielem mehr verwendet. Um diese Kunst vor dem Vergessen zu bewahren, zeigt Norbert Leithold gemeinsam mit seiner Frau Iris mit welchen Materialien einst gearbeitet wurde und wie man dann das Pappmaché eingesetzt hat. Eindrucksvoll zu sehen ist das bei einem Rundgang durch das selbst restaurierte Palais Bülow sowie ihren  individuell gestalteten Workshops.

 

 

 

  1. Keramik und gewebte Wandbilder

Kat und Alexander von Stenglin haben sich vor über drei Jahrzehnten einen Traum erfüllt und durch die Restaurierung eines alten Bauernhofes endlich genügend Luft und Raum, um ihrer Berufung zu folgen. Die ausgebildeten Künstler beweisen sowohl in der Keramikherstellung, als auch in der Weberei ihre enge Verwurzelung mit der Region. Aus einheimischem Lehm entsteht Geschirr und aus Blumen und Baumrinde die Farbe zum Färben der Wolle, die im Webstuhl zum Kunstobjekt verarbeitet wird.

 

 

 

Der kleine Auszug zeigt, dass Kunst und Kunsthandwerk durch kompetente Ausbildung ebenso wie durch leidenschaftliches Engagement als Quereinsteiger neue Ideen hervorbringt und altes Handwerk neu auflebt. Vor allen Dingen aber bereichern diese Manufakturen eine Landschaft, die durch ihre Natur zu so vielfältigen und farbenfrohen Meisterwerken inspiriert.

 

Text und Fotos:
Sabine Zoller MBA., M.A.

 

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