Churfranken – Weine, Winzer und Wanderungen


Der Fränkische Rotwein-Wanderweg steht unter dem
Motto Genuss.

In Deutschland ist er der längste und in Europa sucht er seinesgleichen:

                        Der Fränkische Rotwein Wanderweg.

Auf knapp 80 Kilometern Länge durchstreift er Churfranken, die Genießerregion am Main zwischen Odenwald und Spessart.

Unterwegs mit Winzerin Barbara Gilbert

Das Rotweinglas zeigt den Weg der Route, die dem Weg seinen Namen gibt. Beim Wandern ist vieles über den Weinbau sowie die Flora und Fauna der Region zu erfahren. Auf der ersten Etappe erwartet uns die Winzerin und Gästeführerin Barbara Gilbert und präsentiert uns einen Tilmann-Rotling-Secco als spritzigen Gruß aus der Region. Dann geht es sanft bergauf an malerisch gelegenen Weinbergshäuschen vorbei. „Wir sind der Anfang vom Rotwein-Wanderweg. Alles ist hier Natur, eben so wie es früher einmal war“, betont Barbara Gilbert. Die ausgebildete Winzermeisterin zählt zu den ersten Lehrlingen der lebenden Winzerlegende Paul Fürst. Sie weiß über das Terroir rund um den Wanderweg zu berichten. Schwere, gut mit Wasser versorgte Lößlehmböden bieten ihrem eigenen Weingut viele Möglichkeiten. Mit Müller Thurgau und Domina hat sie Frührebsorten ebenso wie Weiß- und Spätburgunder, Riesling, Silvaner sowie Scheurebe angebaut.

 

 

 

Der Rotling

„Hier in Franken gibt es im Sommer nichts Besseres als einen kühlen Rotling.“ Wir lernen, dass Rotling eine Weinart ist.  Man liest dazu Rot- und Weißweintrauben erklärt Barbara Gilbert und ergänzt: „Die müssen zusammen auf die Presse. Wenn sie zusammen abgepresst sind ist der Wein zwiebelschalenfarben, also rosa. Rotling kann aus den Rebsorten Domina, Spätburgunder, Portugieser und Dornfelder hergestellt werden. Daher gibt es beim Rotling keine zusätzliche Bezeichnung.“ Im Gegenzug dazu besteht der Weißherbst immer nur aus einer Rebsorte und wird aus hellgekelterten Rotweintrauben hergestellt. „Rotwein wird normal nur rot, wenn man eine Maischegärung macht. Denn die Farbstoffe befinden sich in der Beerenhaut“, erklärt unsere Winzerin. „Für den Rotwein macht man eine Gärung auf der Maische, die die Farbstoffe herauslaugt.“ Wir probieren den „Riemenschneider“ Spätburgunder Rotwein ebenso wie die den „Domina“ aus der Bocksbeutelflasche und machen uns nach der Rast im Weinberghäusle auf den Weg bergab. Die Lagen stehen steil und 26% Steigung sind keine Seltenheit.

www.churfranken.de

 

 

Weingut Höflich

„Die Qualität des Weins bestimmt der Weinberg, nicht das Fass“. Mitten in den Weinbergen Großostheims, am Ende der ersten Etappe des Fränkischen Rotwein-Wanderwegs liegt idyllisch das Weingut Höflich auf einem Gebiet, das schon zu Zeiten der Römer für die besten Weinbaulagen berühmt war. In vorwiegend südlichen Lagen baut Peter Höflich in vierter Generation seinen Wein in Großostheim an. Was 1928 mit dem Verkauf von Trauben begann ist heute die perfekte Kombination aus traditionellem und naturnahem Anbau. Die fruchtigen Weißweine werden in Stahltanks ausgebaut, die Rotweine in Eichenholzfässern gelagert. Ob fruchtig frischer Weißwein oder schwerer Rotwein – das Sortiment der international prämierten Weine ist vielfältig und kann bei einem Besuch im hofeigenen Gutsausschank ebenso wie im nahegelegenen Weinhaus Becker bei fränkischen Spezialitäten aus der Küche genossen werden.

www.weingut-hoeflich.de

 

Peter Höflich

 

 

Winzer Reinhold Hillerich

Auf dem Fränkischen Rotwein Wanderweg erschließt sich in sechs angenehmen Wanderetappen das Terroir des churfränkischen Spätburgunders. Reinhold Hillerich ist Winzer in Erlenbach und er bewirtschaftet seine sonnenverwöhnten Reben am steilen Uferhang hoch über dem Main. Auf dem Erlenbacher Hochberg ist mindestens die Hälfte der Anbaufläche für rote Reben reserviert, die seit 1870 durch sogenannte Unterlagsreben angepflanzt sind. „Seitdem die Reblaus aus Amerika eingeschleppt wurde, werden die Unterlagsreben mit Edelreisern gepfropft und veredelt, um der Fortpflanzung der Reblaus Einhalt zu gebieten“, erklärt Hillerich, der mit einer weit ausschweifenden Geste in die Rebhänge der Steillagen zeigt, die sich auf Terrassen hoch über dem Main übereinander stapeln. „Insgesamt haben wir hier von der Straße unten bis zum Wald oben einen Höhenunterschied von 100 Metern. Auf diesen 100 Metern haben wir 60 bis 80 Mauern, die übereinander stehen“, erklärt der Winzer, der auf einer Länge von drei Kilometern die Gesamtlänge der Trockenmauern mit 250 Kilometern errechnet hat.

www.weingut-hillerich.de

 

 

Reinhold Hillerich

 

Sorten am Weinberg

„Hier am Berg sind rund 20 verschiedenen Rebsorten angepflanzt,“ erläutert Reinhold Hillerich. An einem tief eingebuchteten fünflappigen Rebblatt leicht zu erkennen ist die Müller Thurgau Rebe. Sie ist die Haupt-Rebsorte für den Weißwein der in Churfranken wächst. Große Blätter und rote Stiele verweisen mit großen, wohlschmeckenden Trauben auf den Dornfelder Rotwein. Damit die Trauben vor zuviel Sonneneinstrahlung geschützt sind, benötigen sie mindestens sieben Blätter, die an heißen Tagen Schatten und bei Regen oder Hagel Schutz spenden. Besonders beliebt sind jedoch Portugieser- und Spätburgunder Reben, die in ihrer Reife durch die südwestliche Ausrichtung der Weinberge und die Hangneigung von bis zu 70 % unterstützt werden.

 

Einzigartiger "Hillport"

 

„Hillport“ nennt Reinhold Hillerich seinen Portwein aus Churfranken,  den er seit 2011 herstellt. „Auf einer Weinreise nach Portugal hat uns der Portwein begeistert. Da die Steillagen am Douro unseren steilen Weinberglagen in Churfranken ähnlich sind, habe ich den Schritt gewagt einen echten Klassiker der Weinwelt herzustellen“, so der Fachmann, der mit seinem Experiment bahnbrechende Erfolge feiert und damit einzigartig in Deutschland ist. Der weiße Süßwein wird aus den fruchtigen Weißweinsorten Bachus, Müller Thurgau und Kerner gekeltert, aus der Rebsorte Regent wird der rote Hillport-Wein gewonnen. Der Herstellungsprozess ist langwierig, da der Wein drei Jahre lang in speziellen Eichenholzfässern gelagert werden muss.

www.weingut-hillerich.de/hillport.htm

 

 

 

 

Weine von Benedikt Baltes

Die Region um Klingenberg am Main zählt zum Naturpark Spessart. „Geprägt vom roten Buntsandstein sind diese Weinberge leicht zu erkennen“, berichtet Ralf Reichwein. Der Vorsitzende des Vereins Churfranken e.V. kennt die Vorzüge der
verschiedenfarbigen Sandsteine,  auf deren terrassenförmigen Steillagen der bekannte Klingenberger Rotwein angebaut wird. Als Rebsorten findet man hier überwiegend Portugieser und Spätburgunder, die der mittelalterlich geprägten Stadt den Zusatz „Rotweinstadt“ geben.
Das Weingut von Benedikt Baltes bewirtschaftet 12 ha in den steil terrassierten Weinbergen. Zu 90 Prozent wird Spätburgunder angebaut. Für den jungen Winzer zählen die bis zu 100 Jahre alten Reben zu einer der „faszinierendsten Rebsorten der Welt“. Ausschließlich in Handlese geerntet wird der Rebensaft in heimischen Hölzern aus Spessarteiche ohne Zusätze gelagert. „Wir wollen Wein für Leute machen, die ein komplexer Spätburgunder erzählen kann.“

www.weingut-benedikt-baltes.de

 

 

 

VDP Prädikatsweingut Paul Fürst

Das letzte Etappenziel des Fränkischen Rotwein-Wanderwegs heißt Bürgstadt. Der bekannteste Winzer des Ortes ist Paul Fürst, der vom Gault-Millau-Weinguide bereits 2003 zum Winzer des Jahres ausgezeichnet wurde. Seit 1638 beschäftigt sich seine Familie als Weinproduzent und zählt mittlerweile zu den VDP Prädikatsweingütern, einem Verband, der Maßstäbe für Weingenuss und Qualität setzt. Auf dem Centgrafenberg bewirtschaftet Fürst eine reine Südlage. Hier wachsen auf den Buntsandsteinböden die feinen Spätburgunder, die zu den besten Rotweinen Frankens und Deutschlands zählen.

www.weingut-rudolf-fuerst.de

 

Biologischer Weinbau Hench

 

Biologischer Weinbau im Weingut Hench

Mitten im Ortskern von Bürgstadt liegt das Weingut Hench, das seine Wurzeln bis auf das Jahr 1563 zurückverfolgen kann. In den lokalen Weinlagen Centgrafenberg und Hundsrück betreibt die Familie einen biologischen Weinbau und ist Biozertifiziert. Neben dem Spätburgunder werden die Rebsorten St. Laurent, und Regent angebaut. Zusätzlich erfreut sich der Frühburgunder großer Beliebtheit. Der Abkömmling aus der Burgunderfamilie wird seit den 1960er Jahren angebaut und ist heute gleich nebenan auf der Weinkarte vom Gasthaus Adler zu finden.

 

www.weingut-hench.de

 

 

 

Weitere Informationen:
Seit 1990 verbindet der Fränkische Rotweinwanderweg die Weinlagen in Churfranken. Auf 80 Kilometern Länge kann man entlang wunderbar gelegener Weinberge, Städte und Dörfer die reizvolle Umgebung des Maintals erwandern. Der Fränkische Rotweinwanderweg beginnt in Großwallstadt und wer stets der Markierung mit dem Rotweinglas folgt, schließt die Wanderung im Bürgstadter Centgrafenberg ab.
Im Internet gibt es eine interaktive Karte, die man anschauen, ausdrucken und auf ein GPS-Gerät oder Smartphone herunterladen kann.

Infos:
Churfranken e.V., Hauptstraße 57, 63897 Miltenberg, Tel. (0 93 71) 6 60 69 75

www. churfranken.de         e-mail: info@churfranken.de

 

Wir danken der Reise-Unterstützung durch Mainland Miltenberg-Churfranken.e.V.

 

Text und Fotos:

Sabine Zoller MBA, M.A.

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